Ein Tag in der Slowakei


24.11.2018 / ŠK Slovan Bratislava - MFK Ruzomberok / Štadion Pasienky

Es ist Samstagfrüh. Kurz vor sieben. Irgendwo in Tschechien. Die mit Raureif bedeckten Fensterscheiben im Fahrzeug lassen keinen Blick in unsere Umgebung zu. Erstmal den Motor anlaufen lassen und versuchen, den Zustand des Blutes in unseren Arterien vom festen in den flüssigen Aggregatzustand zu transformieren. Die Option, auf vier Rädern zu nächtigen werden wir wohl in Zukunft nur in den wärmeren Monaten des Jahres in Erwägung ziehen.

Nachdem uns die Scheiben freie Sicht bieten, machen wir die friedliche Einfamilienhaussiedlung aus, in der wir uns einige Stunden zuvor auf einem Seitenstreifen zum Parken eingereiht hatten.  Kein Mensch unterwegs um die Zeit.
Wir entscheiden uns, ein kleines Frühstück zu vertagen und erst einmal die nächsten Kilometer in Richtung Slowakei zurückzulegen, hatten wir doch schon gestern Abend deutschen Boden verlassen und waren bereits bis kurz nach Brno vorgedrungen. Und ab auf die Piste!
Die Temperatur im Fahrzeug hat mittlerweile ein angenehmes Level erreicht. Im Radio läuft tschechische Musik. Schlager. Geschmackssache. Die anfängliche Müdigkeit ist mittlerweile ad acta gelegt. Um eine gebührenpflichtige Route zu vermeiden, entscheidet man sich, über Landstraßen zu fahren, welche allerdings über weite Strecken einer Rallyepiste glichen und wir ordentlich durchgeschüttelt wurden. Shake up the happiness.
Auf slowakischem Boden angekommen können wir zumindest renovierten Untergrund verbuchen und der Golf sich etwas erholen. Vorbei an einer Vielzahl idyllischer Ortschaften, Kirchen und etlichen Fußballplätzen bahnen wir uns den Weg, ländliche Gegenden durchquerend, in Richtung Hauptstadt. Kurz vor halb elf: Ortseingang BRATISLAVA! Das Bild an uns vorbeiziehender Häuserfassaden gleicht dem Wetter heute – graue Tristesse. Mal sehen, was die Innenstadt zu bieten hat.
In weiser Voraussicht auf hohe Parkgebühren im Zentrum suchen wir uns einen etwas außerhalb gelegenen Parkplatz und steigen auf die Tram um. Siebzig Cent und fünfzehn Minuten später offenbart sich uns die Stadt auf eine sympathische Weise. Neben dem nieselnden Regen liegt süßer Trdelnik-Duft in der Luft. Aber keine Zeit zum Schlemmen. Ein Blick auf die Uhr des Michaelertors verrät: jetzt aber flinke Füße. Immerhin rollt in knapp zwei Stunden schon der Ball in der Nové Mesto. Also einmal Hauptplatz, Donaubrücke, Burg und Co im Schnelldurchlauf bitte. Zu guter letzt noch fix eine Ansichtskarte für die holde Maid erstanden, die auch noch den Weg in den nächsten Postkasten findet.

Gleich halb zwei. Die nächste Bahn im letzten Moment geentert, geht es in Richtung Stadion. An der Haltestelle ausgestiegen erspähen wir schon von weitem die gewaltigen Flutlichtmasten, deren Schein uns den Weg zum weiten Rund weisen. Vor dem Eingang angekommen, ersteht man sich seine Eintrittskarte für die Haupttribüne, die für moderate sieben Geldeinheiten in unseren Besitz übergeht. Die Einlasskontrolle eine Sache von keiner Minute, erklimmt man kurz darauf die alten Steinstufen in Richtung Tribuna. Der erste Eindruck: oldschool! Geile Hütte, denke ich mir. Beeindruckend hier ist definitiv die alte Anzeigetafel hinter dem Tor aus Zeiten der damaligen Tschechoslowakei. Schönes Ding. Eher ernüchternd hingegen ist leider das geringe Zuschaueraufkommen im 13.000er-Kessel. Nur gut eintausend Anwesende erweisen dem 1962 eröffneten Stadion die vermutlich voraussichtlich letzte Ehre, da der Bau des neuen Nationalstadions ''Tehelne Pole'' mittlerweile sogut wie abgeschlossen und dem Umzug nichts mehr entgegenzusetzen ist. Für viele Slovan-Anhänger aber sicherlich nicht die schlimmsten Voraussichten. Immerhin übernahm man nach der Insolvenz von Inter Bratislava die Spielstätte des Erzfeinds und musste sich über die Jahre die Partien im Feindesland zu Gemüte führen. Somit auch heute kein großer Aufriss und das Spiel ein Spiel wie jedes andere. Zumindest sportlich betrachtet gibt es für den schmalen Taler an Eintritt einiges zu sehen. Eine sehr kurzweilige erste Hälfte endet mit dem Treffer für die Gäste aus der Provinz. Nach fünfundvierzig Minuten heisst es also: 0:1 für den Tabellenvierten. Im zweiten Durchgang arbeitet Slovan kontinuierlich am Ausgleichstreffer, der in Minute 75 auch endlich gelingt. Trotz fulminanter Schlussphase und unzähligen Großchancen für den ganz in himmelblau aufspielenden Tabellenersten und Gastgeber bleibt es am Ende bei dieser Punkteteilung, mit der beide Mannschaften gut leben können.
Nach Abpfiff schlendern wir noch einige Zeit durch die alten Gemäuer und genießen den Flair dieses historischen Ambientes in der Dämmerung, bevor wir uns, zugegebenermaßen etwas melancholisch gelaunt, auf den kurzen Fußweg zum Auto begeben und vor uns liegende 650 Kilometer Heimweg antreten.

Mit vielen coolen Eindrücken und einem neuen Länderpunkt im Gepäck erreichen wir gegen drei Uhr nach 35 Stunden wieder heimischen Boden und können das Fazit eines gelungenen, wenn auch sehr kurzen Ausflugs ziehen!